"Ich habe immer Alles gegeben"

753 Spiele, 753 mal Vozeigeprofi, 753 Beispiele für Herz, Leidenschaft und Eishockey pur. Patrick Mössmer lebt(e) das Eishockey, seinen Sport, auf und abseits des Eises und besticht noch immer durch Charakter und professionelle Einstellung. 753 mal streifte unsere #10 das Haie-Jersey über.
Patrick Mössmer ist Innsbrucker Eishockey, Patrick Mössmer ist DER Hai. Nach über 16 Saisonen in der Kampfmannschaft ist nun aber Schluss. Es ist das Ende einer Ära. Im Interview gibt Patrick Mössmer nun einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt.


 
  • Patrick, die Saison ist gut zwei Wochen zu Ende, wie geht es dir in diesen Tagen? Hast du das Aus bereits verdaut?

"Immer nach Saisonende ist das Prozedere gleich. Man macht sich nur wenige Tage danach schon Gedanken, wie man das Sommertraining gestaltet bzw. wann man damit anfängt. Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich diesen Gedankengang immer noch intus habe. Ich glaube, es wird noch ein Weilchen dauern, bis mir wirklich klar ist, dass ich nicht mehr Hochleistungssport betreibe."
  • Wie schwer ist dir das Karrierende gefallen? Wann sind diese Gedanken gekommen?

"Hättest du mich das vor fünf Jahren gefragt, dann würde ich dir sagen, dass es undenkbar für mich wäre. Zum jetzigen Zeitpunkt und mit dem Angebot in die Privatwirtschaft ist es mir leichter gefallen. Wenn ich auf meinen Körper höre wären wahrscheinlich noch ein bis zwei Jahre im Profi-Geschäft drinnen gewesen... Die Situation, dass aber in Österreich nur ein ganz kleiner Teil der Berufssportler aus wirtschaftlichen Gründen in Pension gehen kann, hat es mir auch leichter gemacht. Mit den Gedanken Aufzuhören beschäftigt man sich ja eh schon ab dem 30. Lebensjahr."
  • Ist es eigenartig so ganz ohne Eishockey? Fällt es dir schwer den neuen Rhythmus in den Alltag zu integrieren?

"Ja, total! Wie ich oben bereits gesagt habe, wird das noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Moment gehe ich jeden Tag weiterhin zum Training. Wenn ich keinen Sport machen würde, dann fühle ich mich unrund und werde grantig."
  • Was machst du mit der neuen (Frei)Zeit?

"Ich stehe meist früh auf und absolviere eine Trainingseinheit. Dienstag und Donnerstag mach ich Ausdauer und Montag, Mittwoch und Freitag gehe ich in die Kraftkammer. Zu Mittag bekoche ich meine Tochter, die von der Schule kommt. Der Nachmittag wird meist mit der Familie verbracht, unter der Saison hat man ja so gut wie kein Wochenende, welches sich man selbst gestalten kann."

  • Wie schaut dein Weg nun aus? Was wirst du beruflich verfolgen?

"Ich werde in eine Branche wechseln, welche mich immer schon interessiert hat. Was das genau ist, möchte ich noch nicht sagen. Vielleicht sehe ich ja den ein oder anderen Fan aber bald wieder, allerdings in neuer Arbeitskleidung."
  • Bleibst du den Haien in irgendeiner Funktion erhalten?

"Das hoffe ich schon. Ich glaube auch, dass ich meine Erfahrung einbringen und generell helfen kann. Nach 17 Jahren Profi kann ich auch sehr gut einschätzen welcher Spieler der richtige ist und welcher nicht. Ich kann ein Spiel sehr gut analysieren und lesen. Auch liegt mir die Entwicklung von Kindern dabei sehr am Herzen. Ich meine damit aber nicht nur das Spiel Eishockey sondern die Entwicklung der Persönlichkeit, in Bezug auf das Kind, in Kombination mit Sport. Eishockey ist eine ideale Sportart in der man so viele Kompetenzen kennenlernt, welche einem im späteren Leben helfen. Man muss sich unterordnen, manchmal führen, einander helfen, Respekt zeigen usw. Das ist im erfolgreichen Mannschaftssport das Um und Auf. Natürlich steht auch der Gesundheitsaspekt der Kids im Vordergrund."
  • Du bist Mr. HCI, warst bis auf eine Saison immer bei den Haien. Welchen Stellenwert hat der Verein für dich? Welchen Stellenwert hat generell das Eishockey für dich?

"Ich liebe den Verein! Eishockey hatte und hat einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Wahrscheinlich war der Stellenwert für den Sport oft zu hoch! Dafür möchte ich auch meiner Familie danken – ich war sicher nicht immer der Einfachste zuhause, wenn es mir sportlich nicht so gut gegangen ist."
  • Du warst in der Vergangenheit für diesen Beruf sehr dankbar. Du hast gesagt es ist ein Privileg Profi zu sein. Was hast du hier besonders geschätzt?

"Man bekommt Geld für ein Spiel, du kannst mit deinem persönlichen Erfolg andere Leute glücklich machen, Kinder sehen dich als Vorbild, man bereist quasi zum Nulltarif die Welt, du lernst jedes Jahr andere Persönlichkeiten und Charaktere kennen, mit denen du an einem Strang ziehst... da würden mir noch viele Weitere Punkte einfallen... leider aber schätzt man das in jungen Jahren nicht so richtig – dies gilt es zu vermitteln.

  • Machen wir einen Blick zurück. Was waren/sind deine Karrierehöhepunkte?
"A-Nationalteam bzw. erstes Tor für Österreich."
  • Deine Tiefschläge?
"Abstieg in die zweite Liga und eine schwere Verletzung am rechten Bein."
  • Was hat dich als Spieler ausgemacht?
"Leidenschaft und Einsatz für meinen Verein und mein Team. Ich kann mir nicht vorwerfen jemals nicht hart gearbeitet zu haben."
 
  • Wer war dein bester Mitspieler?
"Der talentierteste ist Oliver Setzinger, der erfolgreichste Thomas Vanek und das komplette Eishockey-Role-Model war sicher Rem Murray."
  • Wem hast du viel zu verdanken in all den Jahren?
"In erster Linie meiner Frau, die mich immer unterstützt hat. Natürlich auch den Sponsoren und Zuschauern, ohne die wir keinen Sport auf diesem Niveau betreiben könnten. Der Vorstand, der auch immer hart daran gearbeitet hat, dass die Verhältnisse jedes Jahr professioneller geworden sind. Trainer Tommy Samuelsson, der mich das wahre Eishockey gelehrt hat, schade, dass er nach nur einem Jahr Innsbruck verlassen hat."
  • Wie hat dich der Profisport als Mensch verändert?
"Man lernt einen besseren Umgang mit seinen Mitmenschen – zumindest ist das bei mir der Fall. Respekt gegenüber Menschen ist sehr wichtig, das lernt man, wenn man in einer erfolgreichen Mannschaft spielen will. Ohne Fleiß gibt es keinen Preis, das werde ich auch in die neue Berufswelt mitnehmen."
  • Wo siehst du dich in zehn Jahren?
"Hoffentlich in einem kleinen Haus in Italien, das mir gehört."


Vielen Dank für das Gespräch!

Haie laden zur Weihnachtsfeier!
Zurück zur Startseite